12.04.2020

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Frohe Ostern!

Ostersonntag. Ich versuche Freude zu verbreiten, aber eigentlich ist uns zum Heulen zumute. Die Situation ist beschissen und Nein, es gibt kein anderes Wort dafür.

Versuchen wir wieder uns etwas wegzuträumen. Wir gehen in das Jahr 2011. Mein damals 16-jähriger Sohn und ich machten eine Reise zusammen. Irgendwann im Jahre 2010 hatte meine Frau die Idee meine 16-jährige Kinder und mich in Richtung USA zu schicken. Sie wusste schon immer wie groß mein Fernweh war. Die Osterferien eigneten sich immer hervorragend für diese Reisen.

Father and Son - 22.04.2011 Whitmore Point

Wir haben es geschafft. Wir haben den Whitmore Point erreicht. Allzu viel möchte ich gar nicht schreiben von diesem Tage, sondern lieber Bilder sprechen lassen. Die Bilder sprechen nämlich in diesem Falle für sich selber.

Natürlich haben wir auch den Hike hinunter zum Colorado gemacht, wie die Bilder unschwer erkennen lassen. Das Panorama am Whitmore Point ist einfach gesagt, atemberaubend schön.

Bis zum Wasser sind es hier auch nur ca. 300 Höhenmeter, für die wir reine Gehzeit hin und zurück nur 1,5 Stunden gebraucht haben. Allerdings war der Anstieg bei Nachmittagshitze doch recht schlauchend, vor allem weil wir die Hitze nicht richtig gewohnt waren. Auf dem Weg hinunter taucht man so richtig in den Canyon ein. Über ein Lavafeld schlängelt man sich bis hinunter. Sehr beeindruckend diese Wanderung. Hier entstand übrigens vor ca. 180 Tausend Jahren, nach einem Vulkanausbruch, ein natürlicher Staudamm aus erkalteter Lava. Der Colorado brauchte dann geschlagenen 20 tausend Jahre um in langwierigen Verhandlungen den Durchbruch zu schaffen. Übrig blieben die Whitmore Falls, das sind ein paar Stromschnellen die die Bootsfahrer hier aber nicht vor zu großen Aufgaben stellen.

Leider war die Anfahrt so wie ich es mir vorgestellt hatte. Auch hier sei an das Preview und an den dortigen Link erinnert. Wir waren vorbereitet. Aber auf das was uns dann tatsächlich vor Ort erwartete, waren wir es dann irgendwie auch wieder nicht. Man kam nur im Schritttempo vorwärts. Zumindest wenn man wie wir nur normale Straßenreifen auf seinem SUV aufgezogen hat. Von der Bar 10-Ranch bis zum Endpunkt der Route brauchten wir geschlagene 2 Stunden für sage und schreibe 10 Meilen. Natürlich hätte man auch schneller fahren können, aber die Gefahr sich einen Platten zu holen war mir einfach zu groß. Deswegen ließen wir es gemächlich angehen. Das hatte allerdings zur Folge, es heute auf keinen Fall mehr bis zum Toroweap Point, unserem eigentlichen Übernachtungsziel, zu schaffen und so schlugen wir unser Nachtquartier direkt hier am Overlook auf. Ich kann nur sagen: "Wahnsinn!!!".

Als die Sonne am untergehen war, packten wir unseren Grill aus. So gut wie hier kann eine Bratwurst kaum schmecken.

Die Nacht brach relativ schnell an und wir kuschelten uns in unser Auto hinein. Ganz allein am Overlook waren wir auch nicht. Ein älteres Ehepaar übernachtete ebenfalls hier. Der Mann erzählte uns, dass er schon oft hier am Arizona Strip unterwegs war und die verschiedensten Aussichtspunkte besucht hatte, aber am Whitmore war es zum ersten Male und es ist die absolute Nr. 1 unter allen Aussichtspunkten die er in seinem Leben bisher besucht hat.

WAS MIR SONST NOCH AUFGEFALLEN IST

Der Weg zum Whitmore Point ist ca. 90 Meilen lang. Vor allem die letzten 23 Meilen ab dem Schulhaus sind nur sehr langsam zurückzulegen. Im Nachhinein war der Versuch mit einem normalen Miet-SUV diese Tour zu unternehmen vielleicht etwas zu gewagt. Die Straße bzw. besser der Feldweg hinunter zum Overlook ist ohne Vergleich. Bisher habe ich keinen ähnlichen Weg im Südwesten gefahren. Auch die letzten 5 Meilen zum Toroweap Point sind dagegen ein Spaziergang.

Unsere Taktik extrem langsam zu fahren und damit die Reifen so gut es möglich ist zu schonen hat sich ausgezahlt. Wir sind schon mal ohne Reifenschaden bis hinunter gekommen. Wie der Aufstieg dann Morgen aussieht, werden wir eben dann auch Morgen sehen. Es ist halt eine sehr langwierige und schaukelige Angelegenheit. Vor allem für meinen Sohn geht es ständig hin und her. Auch für ihn gibt es kein Ausruhen. Außerdem musste er auch des Öfteren aussteigen, um mir einen Weg über die Steinstufen zu lotsen. Aber er ist ja Achterbahnfan. Viel anders war die Fahrt hierher auch nicht.

Ganz zum Schluss bevor die Frage überhaupt aufkommt. Ja, auch Rollie hat es bis hierher geschafft. Congretulations!

23.04.2011 - Whitmore to Toroweap

Die Nacht im Auto ging besser vorüber als gedacht. Mein Sohn hat sogar unglaublich gut geschlafen. Gestern Abend sind wir um ca. 10.30 Uhr eingeschlafen und er hat bis heute Morgen 6 Uhr durchgeschlafen. Bewundernswert. Bei mir ging es nicht ganz so lange, aber dafür konnte ich den Sternenhimmel und den Mond beobachten. Wann hat man schon einmal die Möglichkeit, ohne natürliches Licht in der Nähe, die Sterne zu sehen. Zwischendurch war es aber auch einmal ganz schön dicht bewölkt am Himmel und ganz kurz hat es auch angefangen zu tröpfeln. Das hätte gerade noch gefehlt, aber es fing nicht zu regnen an.

Am Morgen war es dann wieder nahezu wolkenloser Himmel. Erst im Laufe des Tages kamen die Wolken zurück und am Abend wird es dann sogar noch zu regnen anfangen. Für unser Auto nicht das schlechteste, denn das sieht mittlerweile verboten dreckig aus.

Die Sonne ging über dem South Rim auf. Wir machten noch ein kleines Corn Flakes Frühstück, packten unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg Richtung Toroweap Point. 23 Meilen zurück bis zum Schulhaus und dann nochmals 37 Meilen bis zum Toroweap.

Die Entscheidung gestern Nachmittag am Whitmore zu bleiben und dort zu übernachten war auch im Nachhinein richtig. Wir benötigten heute für die 60 Meilen Fahrtstrecke zum Toroweap 4,5 Stunden. Schneller ging es einfach nicht und auch heute wollte ich auf keinen Fall einen Platten riskieren

An der Wegkreuzung auf dem Bild könnt ihr das Schulhaus entdecken. Der Weg über den Mt. Trumbull ist dann wunderschön zu fahren.

Auf diesem Teilstück gibt es auch keinen größeren Schwierigkeitsgrade beim Fahren zu bewältigen. Erst wieder nach der Rangerstation in Richtung Toroweap fangen die Steine und die Steinstufen an.

Den Toroweap Point besuchte ich heute zum dritten Male. Bisher war ich immer äußerst beeindruckt von der Aussicht, die sich einem bietet.

Wenn man allerdings vom Whitmore hierher kommt, kann einen dieser Punkt nicht mehr ganz so beeindrucken. Natürlich bleibt er beeindruckend als solches, aber mit einer kleinen Einschränkung. Außerdem war er heute extrem überlaufen. So viele Autos am Parkplatz hatte ich bisher hier noch nie gesehen.

Die Rückfahrt vom Toroweap Point in Richtung Fredonia war dann einfach nur noch lang. Ich musste sogar einmal zwischendurch für 10 Minuten an den Seitenrand stehen, um ein kurzes Nickerchen zu machen. Ich konnte mich kaum noch wach halten. Die schlaflose Nacht im Auto hinterließ seine Spuren.

Gegen 15 Uhr bekamen wir wieder festen Boden unter unseren Traverse. Ohne Plattfuß oder sonstigen Pannen überstand unser Chevy den Arizona Strip und hat sich ein Sonderlob wirklich verdient. Wenn er auch nicht wie ein richtiger Geländewagen aussieht, hat er doch gezeigt was in ihm steckt. Auch größere Steinstufen hat er ohne Aufsetzen überwunden. Vor allem seine Reifen haben durchgehalten. Die waren meine größte Sorge gewesen. Gott sei Dank unbegründet. Deswegen geht der heutige Award of the Day an unseren Chevy Traverse AWD

ZUM SCHLUSS DES ARIZONAS STRIP ABENTEUER

Das größte Gebot ist wohl, wenn man mit einem normalen SUV unterwegs ist - langsam fahren. Das ist die einzige Chance die Reifen komplett und ohne Löcher oder Risse wieder zurück zu bringen. Ich will mich jetzt hier nicht als Besserwisser aufspielen. Ich habe auch schon Berichte von Besuchern gelesen, die den Whitmore Point ohne Schwierigkeiten erreicht haben und keine besonderen Probleme dabei sahen. Mir ging es etwas anders und ich gebe das gerne zu.

Für mich bedeutet das aber auch, wenn ich wieder einmal raus zum Whitmore will, dann werde ich einen echten Jeep mieten. Wie und wo weiß ich jetzt noch nicht. Aber ich werde mich dann schon rechtzeitig erkundigen. Möglichkeiten gibt es immer. Vor allem scheint es mir wichtig zu sein richtige Outdoor-Reifen aufgezogen zu haben. Die Gefahr dann einen Platten zu fahren sind erheblich geringer.

Im Endeffekt waren aber diese beiden Tage etwas ganz besonderes. Sowie für meinen Sohn die Tage im Disneyland etwas Besonderes waren, waren es eben die beiden letzten Tage für mich. Ein wunderschönes Erlebnis und ein tolles Abenteuer.

25.04.2011 - Deer Day

Zur Überschrift des heutigen Tages kommen wir etwas später. Der Plan sah heute so aus:

- Aus checken aus unserem Hotel

- zum Zion N.P. fahren

- mit dem Shuttle zum Trailhead

- Hike zum Observaton Point

- Fahrt bis Las Vegas

Das war der Plan, aber wie es mit Plänen manchmal so ist....

Wieder einmal standen wir mit unserem Rentalcar vor einer Reifenwerkstatt. Dies wird in unseren Urlauben so langsam zur Gewohnheit. Unser Traverse hat es bis zum Whitmore Point geschafft. Er hat uns auch ohne Schwierigkeiten bis zum Toroweap Point gebracht und auch befestigte Straßen haben wir wieder ohne Probleme erreicht.

Den hinteren rechten Reifen hat dann ein gewöhnlicher Nagel zu Fall gebracht. Ein Nagel wie er auf jeder normalen Straße vorkommt. Allerdings hat die Aktion gerade einmal 15 Minuten gedauert und 15$ gekostet. Danach war die Luft wieder drin im Reifen und wir auf dem Highway. Gereinigt hatten wir unseren Travi auch zuvor vom Dreck der Vortage. Frisch glänzend konnten wir neuen Abenteuern entgegensteuern.

Zum Abschied fuhren wir noch den Lake Mead Overview an. Seit neuestem ist der bis zum Parkplatz geteert.

Das Wetter war heute Morgen toll und die Aussichten von hier oben wirklich grandios. Vielleicht störte am Horizont das Kraftwerk etwas, aber irgendwo muss die Energie ja her kommen.

Unser nächstes Ziel hieß Zion Nationalpark.

Dabei wussten wir nicht, dass nicht wir ein Ziel hatten. Nein, wir waren das Ziel.

Das wars dann mit unserem Travi. 3 Meilen vor dem Osteingang des Zion tauchte von links eine Hirschkuh auf. Ein wirkliches Riesenvieh. In dem Moment wusste ich, es kommt zum Zusammenstoß. Kennt ihr den Werbespruch von John Deere: "Nothing runs you like a deer". Dem ist nichts hinzuzufügen.

Ich machte eine Vollbremsung und zog das Auto nach rechts, um "John" nicht frontal zu erwischen. Sein Hintern bohrte sich seitlich in die Fahrertür und den Kotflügel. Ich kann die angstvollen Augen des Tieres noch vor mir sehen. Ob dem Deer etwas ernsthaftes passiert ist, lässt sich nicht mehr sagen. Es ist nach dem Zusammenprall wieder in den Wald gesprungen und war auf und davon.

Das gute an der Sache, unser Auto war noch fahrbar. Am Campingplatz vor dem Zion Eingang haben wir dann bei Hertz Road Assistance angerufen. Die Jungs im Giftshop waren recht cool drauf. Den folgenden Wortwechsel möchte ich euch nicht vorenthalten.

Ich: Guten Morgen, ich hatte einen Unfall

Giftshop 1: A Deer hääh!

Ich: Ja, aber wie wusstet ihr das?

Giftshop 2: Passiert hier öfters, willst du telefonieren

Ich: Muss man das angefahrene Deer irgendwo melden?

Giftshop 1: Ja bei uns. Jedes angefahrene Deer kostet 1000,-- $ Strafe.

Giftshop 2: Zahlbar bei uns direkt, cash.

Ich: Ja aber nur, wenn ich das Fleisch behalten darf.

Giftshop 2: Mach dir wegen dem Deer keine Sorgen. Wir haben hier Condore und andere Wildtiere, die freuen sich auch auf eine Extramahlzeit.

Giftshop 1: That´s the circle of life.

Am Ende habe ich mit Hertz telefoniert und einen Autowechsel in Las Vegas mit ihnen ausgemacht. Unser Auto war ja noch fahrbar, also warum sollten wir hier in der Wildnis auf ein neues Auto warten. Wir besuchten erst einmal den Zion.

Aber so richtige Lust auf den Zion hatte ich keine mehr. Für den Observation Point Hike waren wir auch zu spät dran. Dieser Plan am heutigen Tage war schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Wir hätten viel früher aufstehen und das Hotel in Page verlassen müssen. Dann wäre aber wahrscheinlich der Reifenhändler in Page noch zu gewesen. Wir hätten also warten müssen, wären aber früher am Zion gewesen. Das Deer hätte uns nicht erwischt, unser Auto wäre noch ohne Beulen usw.

Bringt aber alles nichts, wir fuhren direkt nach Las Vegas und wechselten am Flughafen unser Auto. Diese Aktion ging jedoch ruck-zuck. Zur Autorückgabe fahren, Formular ausfüllen für den Unfall, zum Hertz Schalter gehen, neues Auto zugeteilt bekommen und das Parkhaus wieder verlassen. Die beste Frage beim neuen Auto war: "Wir haben leider ihre gemietete Kategorie nicht mehr vorrätig, wäre eine Kategorie darüber für Sie in Ordnung?"

Ich kann mir schlimmeres vorstellen. Also fahren wir jetzt einen Chevy Tahoe. Ein Riesenvieh von Auto, aber gemütlich. Leider werden wir den nur noch 2 Tage haben.

Wir haben uns dann heute Abend noch mit unseren Freunden hier in Las Vegas getroffen und haben das Luxor Buffet gestürmt. Danach ging es noch ein wenig durch diverse Casinos. Gegen Mitternacht fielen wir dann todmüde ins Bett.

Zum Abschluss noch das heutige Gute-Nacht-Foto von Rollie.

ENDE

An alle nochmals ein frohes Ostern. Vergesst nicht in diesen Tagen zu träumen. Aber vor allem vergesst nicht nach dem das alles Geschichte sein wird, die Träume in Realität zu verwandeln. Viel Spaß dabei.

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