Jetzt sind wir schon 10 Tage in Schweden und bisher stand keine Stadtbesichtigung auf dem Programm. Am Anfang des Urlaubs sind wir an Stockholm einfach so vorbei gefahren. Waren wir doch vor ein paar Jahren in der Stadt, die nebenbei sehr schön ist. Heute aber hatten wir uns vorgenommen Falun anzusehen.
Am Morgen genossen wir zunächst das Frühstücksbuffet unseres Hotels. Ich muss es nicht extra dazusagen, natürlich ohne Corona-Maßnahmen. Natürlich! Man frägt sich unweigerlich wie die Schweden diese Zeit überleben. Aber sie tun es. Sie verzeichnen für 2021 eine massive Untersterblichkeit und die aktuellen Todeszahlen aufgrund von Corona gehen gegen Null. In Deutschland hört man davon allerdings in den Medien nicht viel, im Gegenteil, Schweden wird gemobbt und ihr Weg, die Pandemie zu bekämpfen, als Fehler bezeichnet. Die Ergebnisse dieses Weges sprechen aber für sich und ich kann nur jedem empfehlen in dieses Land zu reisen und sich die Sache einmal persönlich anzusehen. Aber genug politisiert.
Kommen wir zu Falun. Was erwartet uns hier? Zunächst einmal etwa unnützes Wissen für alle die es interessiert. Jeder kennt das berühmte Schwedenrot. Häuser und Gebäude in Schweden werden damit regelmäßig gestrichen. Aber dieses Schwedenrot hat noch einen spezifischeren Namen. Das Schwedenrot wird auch Falunrot genannt. Warum? Eine kurze Erklärung.
Falunrot (schwedisch Faluröd, Falurött oder Rödfärg) oder auch Schwedenrot ist eine vor allem in Schweden produzierte rote Dispersionsfarbe für den Außenbereich. Die Bezeichnung Falunrot bezieht sich auf den schwedischen Ort Falun und dessen bekannte, seit 1992 geschlossene Kupfermine.
Das aus dem Abraum des Kupferbergbaues in Falun gewonnene Pigment Falunrot wurde ab dem 16. Jahrhundert als Außenanstrich beliebt, da es den in Schweden vorherrschenden Holzhäusern eine Farbe gab, die an die Backsteinbauten wohlhabender Mitteleuropäer erinnerte. Auch in den von Schweden beherrschten Gebieten in Pommern und Mecklenburg kam die Farbgebung vor, so etwa bis heute am Schloss Spycker oder am Wismarer Schabbellhaus.
Ende des 19. Jahrhunderts war die rote Farbe in allen Gesellschaftsschichten beliebt, und sie verankerte sich in der Zeit der schwedischen Nationalromantik dank Malern wie Carl Larsson aus Sundborn bei Falun im Bewusstsein vieler Schweden. Die rote Farbe wurde im Laufe der Jahrhunderte zu Schwedens Nationalfarbe beim Hausbau und ist in ländlichen Gebieten bis heute die traditionelle Farbe für Holzbauten geblieben.
Eine kurze Besichtigung der Kupferminen stand aber für später erst an. Zunächst fuhren wir in Richtung des Sportzentrums der Stadt. Wobei Stadt vielleicht ein großes Wort ist. Falun zählt ca. 37.000 Einwohner. Immerhin. Bekannt ist Falun aber v.a als Sportstadt. Falun ist das Zentrum für nationale und internationale Wintersportwettkämpfe. So befindet sich in Falun der Sitz des Schwedischen Skiverbands sowie das Sport- und Freizeitareal Lugnet, in dem neben den Lugnet-Schanzen auch ausgedehnte Skilanglaufloipen und Abfahrtspisten liegen. Auf den Schanzen fanden bis 2002 Wettbewerbe im Skisprung-Continental-Cup und im Weltcup der Nordischen Kombination statt. Seit 2002 ist Falun jedoch nur noch Austragungsort für den FIS Cup und Skisprung-Continental-Cup sowie für Weltcuprennen im Skilanglauf.
Wir parkten unser Auto zu Füßen der Sprungschanzen und machten uns auf die Berge hinter den Schanzen zu bewandern. 8.77 km, 218 Höhenmeter und 3 Stunden später standen wir wieder am Parkplatz. Wer mehr über die Wanderung erfahren will, wie immer hinter dem Link - Lugnet Falun
Die Berge, besser Hügel hinter den Schanzen sind durchzogen von Skilanglaufwegen. Im Winter sicher ein Traum hier Ski zu laufen. Aber auch jetzt im Sommer sind die Wanderwege gut ausgeschildert und wunderbar zu belaufen. Fast schon etwas zu gut.
Auch der ein oder andere Spaßvogel ist hier unterwegs.
Der Wald hier ist wunderschön und könnte fast gemalt sein.
Trotz guter Karten und ausgeschilderten Wegen ist ein Verlaufen bei uns immer drin. Auch hier haben wir uns etwas vertan, bei der Suche nach einer Abkürzung durch den Wald. Aber wir haben es rechtzeitig bemerkt und sind wieder auf den rechten Weg zurückgekommen.
Durch diese Wälder sind wir gewandert und haben am Ende genau das gefunden, wo wir eigentlich starteten. Man hätte es kürzer haben können.
Leider waren die Schanzen nicht zu besichtigen und trainiert hat hier heute auch keiner. Trotzdem die Sicht über die Stadt und auf die nähere Umgebung war sehr schön.
Am anderen Ende der Stadt konnte man die große Kupfermine erkennen.
Da würden wir später noch hinfahren. Zunächst schauten wir uns noch etwas bei den Skisprungschanzen um und schauten auch dem ein oder anderen bei seinem Langlauftraining zu.
Warum die Schanzen seit 2002 nicht mehr im Weltcup Verwendung finden erschloss sich mir nicht.
Von hier aus fuhren wir dann in die Stadt rein, suchten uns einen Parkplatz und wunderten uns ein wenig. Es war nichts los, überhaupt nichts. Es war Mittsommerwende-Wochenende. Die Schweden waren wie gestern bereits erwähnt unterwegs. Jeder der die Möglichkeit hat und das schien so ziemlich jeder zu sein, fuhr in seine Ferienhütte im Wald. Die Fußgängerzone in Falun war wie ausgestorben und die Geschäfte hatten geschlossen, auf jeden Fall die meisten davon. Aber es waren ja auch keine Kunden da.
Restaurants hatten geöffnet und wir stürmten eines davon. Hunger war schließlich nach der Wanderung vorhanden. Wir besuchten auch noch eine Kirche. Das interessanteste Gimmick der Kirche war aus meiner Sicht, das Kaffee im Inneren. Die Kirche war auch sonst recht nett, aber jetzt nicht einzigartig, wie gesagt bis auf das Kaffee.
Die Restaurants und Kaffee´s wie tot. Der Reiseführer hatte so etwas beschrieben, aber so richtig geglaubt hatte ich es nicht. Aber es war tatsächlich so. Die Mittsommerwende wird immer am Wochenende nach der Mittsommernacht gefeiert. Diese Woche ist in Schweden Ausnahmezustand. Wie beschreibt es ein Reiseführer so schön:
Im Grünen oder im eigenen Sommerhaus treffen sich Familienmitglieder und Freunde zum kulinarischen Genuss. Gereicht werden schwedische Kartoffeln und verschiedenste Heringszubereitungen. Frische Erdbeeren, Bier und traditionell schwedischer Schnaps runden den Gaumenschmaus ab. Traditionell präsentiert sich die Mittsommernacht von einer magischen Seite. Der Legende zufolge kann man in dieser Nacht das romantische Violinenspiel vom Neck, einem schwedischen Wassergeist, erlernen.
Wir verließen das verlassene Falun wieder und fuhren noch zu den bekannten Kupferminen.
Heute ist die Mine ebenfalls verlassen, aber nicht wegen der Mittsommerwende. Geschlossen wurde sie 1992. Besichtigungen sind möglich, wir haben allerdings keine gemacht. Diverse Gebäude konnten wir von außen fotografieren und auch einen Blick in die Tiefe der Mine wagen.
Heute machte Falun zwar einen verlassenen aber auch sehr schönen Eindruck. Wie die Verhältnisse hier im Jahre 1734 waren, erklärt Carl von Linnés, ein schwedischer Botaniker und Wissenschaftler der eben im Jahre 1734 durch Dalarna reiste:
Auf Grund des schwefelhaltigen Rauches aus dem Bergwerk war der Boden steril und kahl. Das Vieh musste weiter außerhalb der Stadtgrenze weiden. Der Rauch hatte auch zur Folge, dass die Gebäude der Stadt braun und imprägniert wurden. "Die größeren Höfe - die Bergmannshöfe - waren umbaute Höfe, die dank des Rauches besser erhalten aussahen, als sie eigentlich waren"
Das Einkommen von der Bergwerksarbeit wurde von den Einwohnern in Falun durch das Fischen von Hecht, Ukelei, Aalquappe, Rohrkarpfen und Forelle ergänzt
Man kann also zu Recht behaupten, im Jahre 1734 war es nun keine reine Wonne hierher zu reisen, geschweige denn hier zu leben. Aber es gab Arbeit für die Menschen und sie konnten ihren Lebensunterhalt bestreiten. Aus der heutigen Sicht jedoch waren die Verhältnisse nicht sehr lebenswert. Aber wer weiß was Menschen in 300 Jahren über unsere jetzigen Verhältnisse sagen werden? Wir werden es wohl nie erfahren, genau so wenig wie die Menschen von damals.
Noch ein letzter Blick in die Tiefe und der Tag ging zu Ende. Der Rest des Tages war eher als Ruhetag angelegt. Ausruhen, lesen, etwas schwedisches Fernsehen kucken, was by the way nur wenig besser als unseres ist, wenn überhaupt. Mehr war heute nicht mehr drin. Morgen geht es wieder raus in die Natur. Zwei Nächte im Hotel sind mehr als genug. Unser Dachzelt wartet schon wieder und wir freuen uns auf einen Platz an einem See, vielleicht ohne Stechmücken, das wäre toll. Mal sehen, was der morgige Tag bringen wird.