Auch heute Morgen durften wir nochmals das Frühstücksbuffet genießen. Das Buffet war Indoor, sitzen konnten wir bei schönstem Wetter Outdoor. Einfach schön und ab und zu im Urlaub ein absolutes Muss. Auch wenn wir gerne Camper sind, aber genauso sind wir auch gerne ab und zu im Hotel. Aber heute geht es wieder los, raus in die Natur. Unser 1. Ziel heute:
Kurz umreiße ich euch, um was es bei diesem Nationalpark geht.
Der Nationalpark Garphyttan wurde 1909 gegründet und ist einer der ältesten Nationalparks Schwedens. Als der Park gegründet wurde, glaubte man, dass die Blumenpracht am ehesten ohne menschliche Eingriffe erhalten bleiben würde. Erst als der Boden begann zuzuwachsen und die Wiesenpflanzen weniger wurden, verstand man, dass die Blumenpracht auf die Arbeit des Bauern und weidende Tiere angewiesen war....
....Das Kernstück des Parks besteht heute aus dem alten Hofgrundstück und dem verbliebenen Kulturboden, der immer noch auf traditionelle Weise bewirtschaftet wird....
Vielleicht sollte man auch heutzutage bei der ein oder anderen Partei, bei ihrem Eifer die Welt zu retten, in Betracht ziehen, dass auch der Mensch Teil dieser Welt und der Natur ist. Das aber nur nebenbei.
Wir wollten hier ein wenig durch den Park laufen. Ungeheuerlich aufregend erschien uns dieser Park jetzt nicht. Hier wurde einfach die Natur geschützt, indem man das Land und die Tiere wie vor hunderten von Jahren behandelte. Das Ergebnis sind ursprüngliche Wälder und Wiesen.
Der Park hat uns jetzt nicht komplett geflasht, um nicht zu sagen, er hat uns nicht abgeholt. Wir sind beide auf dem Land aufgewachsen und wissen wie Blumenwiesen und Wälder aussehen. Wir leben quasi inmitten von Wiesen und Wäldern. Wer jetzt in der Stadt lebt oder nur ab und zu den ländlichen Raum betritt, hat vielleicht eine etwas andere Sicht der Dinge. Trotzdem machten wir eine kurze Wanderung hier. Ein paar Kilometer laufen geht immer.
Die genauen Daten der kurzen Wanderung findet ihr hier - Garphyttan
Gelaufen sind wir 2.6 km, bei 41 Höhenmetern. Unterwegs waren wir 1 Stunde. Natürlich haben wir auf dem Weg etwas gepicknickt und die Gegend auf uns wirken lassen. An meinen Worten erkennt ihr sicher, wir waren nicht komplett begeistert. Trotzdem das Wetter war schön, die Landschaft hier in Schweden ist nach wie vor wunderschön und beruhigend. Man fährt an einsamen Höfen auf engen Straßen vorbei. Sowas nennt man Roadtrip.
Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, ein Höhepunkt stand uns heute noch bevor. Manche Dinge kann man halt nicht planen. Aber dazu später mehr. Jetzt steuerten wir erst einmal unser nächstes Ziel an.
In der Gemeinde Degerfors findet sich dieses Naturreservat namens Sveafallen. Leider war in der Zwischenzeit das Wetter wieder etwas schlechter geworden. Aber es hielt uns nicht davon ab auch hier ein paar Meter durch die wirklich wunderschöne Landschaft zu laufen.
Zunächst aber eine kurze Einführung was es hier zu sehen gibt.
Bei den Sveafällen gibt es eine große Anzahl von Gletschermühlen, die dadurch entstanden, dass kleinere Steine von Wassermassen in Rotation versetzt wurden und den darunterliegenden Berggrund aushöhlten. In dem Naturreservat kann man fünf ehemalige Stromrinnen sehen. Man nimmt an, dass das Wasser des Sveaflusses sich entlang dieser Läufe in den Letälven ergoß. Besonders erwähnenswert sind das Domedagstal und die Bergtjärnsrinne. Das Domedagstal ist das tiefste der fünf Täler. Eine Felsenwand bildet die westliche Seite mit ihrem höchsten Punkt 17 m über dem Talboden.
Im südlichen Teil des Naturreservates, beim Bergtjärn, findet man die Bergtjärnsrinne. Ein hoher, lotrechter Felsenabsatz ragt über den See hinaus. Hier liegt auch die Wasserscheide zwischen Ostsee und Skagerrak.
Aber natürlich kann man viel schreiben und viel Informationen aus dem Internet saugen. Am deutlichsten sagen Bilder wie es hier aussieht.
Ihr seht noch schien die Sonne, aber am Horizont war die herannahende Wolkenwand schon auszumachen. Die Wanderung hier im Naturreservat hatte etwas, die Landschaft war wunderschön. Der Eingang des Naturreservates war so etwas wie ein Naturmuseum, mit alten Gebäuden und Höfen. Aber diese alten Gemäuer waren nicht nur an sich erhalten geblieben, sondern sie waren die Heimat diverser Geschäfte, Bäckereien und Kaffees.
Hier war heute durchaus etwas los. Familien nutzten das Wochenende der Mittsommerwende für Ausflüge. Sobald man allerdings die Häuser auf dem Wanderweg etwas verließ war man wieder in der Einsamkeit. Wir genossen die Wanderung hier. Die Landschaft, aber ich wiederhole mich, war sehr, sehr schön.
Und wie man erkennt auch ein klein wenig mystisch. Wie eingangs erwähnt gibt es hier auch die sogenannten Gletschermühlen. Leider eignen sie sich nicht besonders für Fotos, auf jeden Fall nicht, wenn ich es mit meinen eingeschränkten Fähigkeiten versuche.
Kurze Erklärung zur Entstehung
Im Eis gab es mehr oder minder lotrechte Spalten, durch die das Schmelzwasser von der Eisoberfläche abfloss. Da das Eis bis zu mehrere Kilometer dick sein konnte, prallte das Schmelzwasser mit großer Wucht auf das unter dem Eis befindliche Urgestein auf. Der Wasserdruck war in der Lage, Felsbrocken aus dem Urgestein herauszulösen und in strudelnde Bewegungen zu versetzen, wobei die "Töpfe" entstanden. Die dazugehörigen "Mahlsteine" sind in mehreren Fällen an den Sohlen freigelegter Gletschertöpfe gefunden worden.
Ob es sich bei dem Wissen im Text nur um eine Theorie handelt oder gesichertes Wissen, kann ich nicht sagen. Aber so wurden hier auf Schilder die Gletschermühlen erklärt.
Genaueres zu unserer Wanderung wieder hinter dem Link - Sveafallen
2.9 km, 46 Höhenmeter und 1.5 Stunden später gönnten wir uns hier dann eine giftige, kleine Köstlichkeit die wir in diesem kleinen, süßen (und wenn ich süß sage, dann meine ich süß) Laden fanden.
Der Laden beheimatete eine Bäckerei und dort gab es das da...
Das waren giftige kleine Scheißerchen. Süß umreist es dabei nur unzureichend. Aber geschmeckt haben sie super. Unter einem Sonnenschirm, auf Stühlen sitzend verspeisten wir die Leckerei, während der Regen uns wiedergefunden hatte. Das sind die kleinen Augenblicke während eines Roadtrips die in Erinnerung bleiben.
Da jetzt bereits späterer Nachmittag war, machten wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz. Dabei stellen wir uns immer wieder die Frage, finden wir einen schönen Stellplatz in der freien Wildbahn oder müssen wir auf einen Campingplatz ausweichen. Heute hätten wir fast die Antwort Campingplatz gegeben, aber irgendetwas gefiel uns dort nicht. Als wir zur Rezeption fuhren, machten wir halt und drehten herum. Nein, heute wollten wir etwas anderes. Wir wollten so etwas...
gerne auch so etwas...
oder wenn es gar nicht anders geht auch so etwas...
Meine Frau machte auf unserer Straßenkarte, tja auch so etwas haben wir noch dabei, nicht nur Gockel Maps, einen Nebenweg der Hauptstraße aus, der an einem See entlang ging. Dort musste doch etwas zu finden sein. Wir fuhren also zurück und bogen auf die Seitenstraße ein. Verflixt hatte sich doch gleich am Anfang der Straße schon ein Wohnmobilist einen Stellplatz gesichert. Auch der nächstmögliche Platz war schon durch einen Wohnanhänger besetzt. Kurz darauf aber gab es eine kleine Ausbuchtung am Wegesrand, gerade groß genug für unseren Volvo und das Dachzelt. Aber vielleicht würde es ja noch einen besseren geben, wenn wir der Straße noch weiter folgen würden und so fuhren wir weiter. Aber natürlich kam nichts besseres mehr und wir drehten herum. Hoffentlich war "unser" Platz jetzt nicht besetzt. Aber wir hatten Glück und unseren Stellplatz für die Nacht gefunden. Die Bilder oben zeigen die Aussicht. War das nicht herrlich?
Wir hatten uns nicht zu früh für den Platz entschieden. Immer wieder fuhren Autos an uns vorbei, auf der Suche nach eben genau diesem Plätzchen. Aber es tat uns leid, es war schon besetzt. OK, leid tat es uns nicht. In der Nacht allerdings fuhren dann keine Fahrzeuge mehr vorbei und es blieb ruhig.
Ach ja, die Frage zu den Stechmücken brennt euch sicher auf den Lippen. Hier war es ruhig. Es gab zwar auch welche, aber unsere Gegenmittel halfen ausgesprochen gut und viel mehr als zu Hause auf der Terrasse waren es hier auch nicht. Wir konnten also wunderschön am See sitzend unser Abendessen genießen und auch danach noch die Ruhe des Sees genießen. Es war einfach traumhaft und der schönste Stellplatz des Urlaubs.
Das Problem des schräg stehenden Autos meisterten wir auch. Wie sagte schon meine Schwiegermutter so schön: "Man darf nur ned bled sei!"
Ein paar Steine als Unterlage glichen den Höhenunterschied aus. Wenn ich mir die Bilder so ansehe, dann möchte ich direkt hier wieder hin. Es war so schön ruhig. Man konnte seine Gedanken über den See schicken und abschalten vom Alltag. Jetzt nach 11 Tagen im Urlaub hatte ich endlich meinen Frieden gefunden. Leider stand bereits das Ende des Urlaubs schon am Horizont geschrieben.
Wenn ihr euch jetzt fragt, was schreibt er da. Es fällt mir immer schwerer vom Alltag und dem Leben als "Geschäftsmann" abzuschalten und die Situation rund um Corona macht es nicht besser. Natürlich sollte man immer positiv in die Zukunft schauen, aber das Wort positiv ist halt in letzter Zeit sehr negativ besetzt. Wer will schon positiv sein?