Die Schuhe waren wieder getrocknet, die Wandersocken benutzbar, das Wetter hervorragend. Alles angerichtet um einen weiteren Tag durch Schweden zu wandern. Was vielleicht nicht ganz idealen Zustand hatte, die zum Wandern unabdingbaren Füße.
Die Mücken hatten in den letzten Tagen sehr gute Arbeit geleistet. Allerdings konnten wir das Jucken der Stiche hier eindämmen. Im Prolog habe ich es erwähnt. Hier fanden wir die Löffelmethode im Netz, haben die gestern Abend auch ausprobiert und sie hat funktioniert. Dem Wandern stand also nichts mehr im Wege.
Trotzdem haben wir heute die Entscheidung gefällt, wieder mal ein Hotelbett zu organisieren. Wir lieben Camping, wir lieben aber auch die Abwechslung und das beinhaltet auch ab und zu, wie bereits mehrfach erwähnt, Hotelübernachtungen. Als Ziel hatten wir uns für heute Falun ausgesucht. Nachbarn von uns haben hier in der Gegend eine Hütte stehen. Leider waren sie zur Zeit nicht vor Ort, sonst hätten wir sie natürlich besucht. Aber Falun fand unser Interesse. Hier wollten wir einen Tag verbringen.
Ganz in der Nähe unseres Campingplatzes hatten wir ein weiteres Ski- und Wandergebiet gefunden. Hovfjället! Wenn ihr Lust habt mehr über das Skigebiet zu erfahren, wäre wieder mal hinter dem Link Gelegenheit dafür - Link.
Unser Rother Führer weist hier eine Wanderung aus, die wir interessant fanden. Der Trailhead befand sich an der Bergstation des Skigebiets. Man war also bereits ganz oben.
Die Aussichten hier oben waren wunderschön, v.a. das Wetter heute fand unsere uneingeschränkte Zustimmung.
Hier gibt es eine ganze Vielzahl von Wanderwegen und wir machten uns auf den Weg.
Wir liefen quasi rund um den Bergrücken. Zunächst ging es wieder etwas den Berg hinunter, dann wieder hinauf, dann weiter hinunter zu einem See und anschließend wieder zur Spitze und zum Trailhead anzusteigen. Eine wunderschöne Landschaft wartete auf uns.
Dazwischen kommt man zu einem alten Bauernhof, dem Bondfugestorp.
Immer wieder verläuft der Weg über Bohlen, ohne die man hier sehr nasse Füße bekommen würde. Irgendwann steht man an einem See.
Aber das war noch nicht der See, den wir eigentlich ansteuern wollten.
Mehr wunderschöner Wald musste noch durchquert werden und dann waren wir da. Der See, den wir schon vorher als unseren Brotzeitplatz definiert hatten. Deswegen warteten wir auch schon sehnsüchtig darauf. Ich hatte Hunger.
In diesen Hütten konnte man sehr gut sitzen, der Landschaft beim still sein zu sehen und dabei das beim Frühstück zubereitete Sandwich zu einem nehmen. Auch das Ausruhen der Beine war willkommen.
Von jetzt ging es wieder bergan in Richtung Trailhead.
Aber vorher musste noch der Rakullsberget überschritten werden.
Von dort oben warteten wunderschöne Aussichten auf uns.
Wer glaubt, dass Seen nur in Tälern, nicht aber am Berg oben entstehen, der wurde hier eines besseren belehrt.
Bald darauf sahen wir die Spitze des Skigebietes wieder und erreichten wieder unser Auto.
Wer näheres über die Wanderung erfahren will, kann das wieder hinter dem Link tun - Hovfjället
Für alle anderen wieder die Kurzfassung - 9.22 km - 257 Höhenmeter - 4 h 15 min.
Auf was wir uns jetzt freuten, war ein schönes Hotelzimmer, eine noch schönere Dusche und ein Abendessen, das uns am Tisch serviert wird. Man ist ja schon mit den kleinen Dingen des Lebens zufrieden. Vom Hovfjället bis zu unserem Hotel in Borlänge waren es ziemlich genau 2 h 45 min. Fahrtzeit, wobei uns eine südliche und eine nördliche Route vorgeschlagen wurde. Wir entschieden uns für die nördliche Route über die E16. Wir hatten übrigens Mittsommerwende-Wochenende in Schweden und die E16 war in Richtung Nordosten und somit in Richtung Wildnis nicht nur vielbefahren, sondern schlicht und ergreifend voll. So voll hatten wir Schwedens Straßen außerhalb der Ballungszentren noch nicht erlebt.
Auch hierzu ein Link, falls es euch interessiert: Mittsommernacht
Am heutigen Tag feierten die Menschen mit Freunden, Familien und Bekannten ein großes Fest. Wobei wir das Gefühl hatten die meisten nutzten die Gelegenheit um ihr Wochenend-Domizil irgendwo im Wald zu erreichen und dort diesen Tag oder besser die Nacht zu verbringen. Wir dagegen fuhren in die andere Richtung und in die Stadt ein.
Ach ja, eigentlich wollten wir ja nach Falun. Aber unsere Hotelsuche brachte uns in das ca. 20 km südwestlich gelegene Borlänge. Als wir in die Stadt hineinfuhren, auf dem Weg zum Hotel, fanden wir die Stadt sehr einladend, große, breite Straßen und viel grün. Beim Abendessen erfuhren wir dann, dass Borlänge zu einer der hässlichsten Städte in Schweden gewählt wurde. Ganz erschlossen hat sich uns diese Wahl nicht. Aber man muss ja nicht alles verstehen.
Unsere Hotelwahl fiel auf das Gylle Hotel. Das Zimmer war zwar nicht besonders groß, aber durchaus in Ordnung und das angeschlossene Restaurant am Abend gut besucht. Hierzu gibt es natürlich auch eine kurze Story. Was man alles so erlebt!
Am Eingang zum Restaurant warteten bereits die unterschiedlichen Partien um einen Tisch zugewiesen zu bekommen. Wir reihten uns ein. Als wir an der Reihe waren, fragte man uns ob wir reserviert hätten? Hatten wir natürlich nicht. Aber da wir nur zu zweit waren, bekamen wir dennoch sofort einen Tisch. Aber wie gesagt, das Restaurant war gut besucht.
Dann kam die erste Servicekraft an unseren Tisch und sprach uns auf schwedisch an. Als sie merkte wir würden viel lieber auf englisch bestellen, holte sie eine Kollegin. Diese bemerkte natürlich, dass wir keine englischen Muttersprachler waren und fragte uns, wo wir herkämen. Als wir Germany sagten, verschwand sie wieder und eine dritte Servicekraft kam zu uns. Dieses Mal war es eine deutsche Landsmännin. Jetzt glaubten wir, es müsste uns peinlich sein, wir hätten doch durchaus auch auf englisch bestellen können und sie hätte nicht extra zu uns kommen müssen. Aber sie freute sich, endlich nach langer Zeit wieder mal mit Deutschen zu sprechen. Sie war eine Studentin die hier in Borlänge ihren Bachelor machte und jetzt sich überlegte noch einen Master dranzuhängen. Bis zur Entscheidungsfindung verdiente sie sich hier etwas Geld dazu. Sie gab uns sogar ihre Telefonnummer als sie erfuhr, dass unsere Tochter auch mit dem Gedanken spielte in Schweden zu studieren. Falls sie Fragen hätte, könnte sie sich gerne melden.
Ach ja übrigens, das Essen war auch sehr gut und wir konnten gut gefüllt unser weiches Bett im Hotel besteigen. Wie schon erwähnt, in unserem Zeltdach schlafen wir außerordentlich gut. Die Matratze ist nicht besonders dick, aber bequem, wenn auch hart. Dagegen war das Bett im Hotelzimmer sehr weich. Eine Umstellung, die nicht immer gut gelingt. Man merkt wir kommen in ein Alter, bei dem unterschiedliche Unterlagen beim Schlafen zu unterschiedlichen Ergebnissen am nächsten Morgen führen. Gab es das eigentlich früher auch schon oder werden wir einfach nur alt?
Am Besten nicht soviel darüber nachdenken, sondern hinnehmen.