Ist eigentlich vom Vortag noch etwas Neugierde übrig geblieben? Wie war eigentlich unsere Nacht? Dazu gibt es heute eine kleine Premiere. Zum Start unserer heutigen Wanderung haben wir zwei den letzten Abend und die Nacht kurz zusammengefasst, videotechnisch. Wer könnte es besser erzählen als wir selbst, wir waren ja schließlich live dabei.
Jetzt wisst ihr Bescheid. Man könnte diese Episode als Campingerlebnis abhaken. Was wir auch hiermit tun. In Schweden gibt es Stechmücken und es gibt Mittel dagegen. Leider helfen die nicht immer und damit muss man leben. Das Land und die Landschaft sind zu schön, um sich damit allzu lange aufzuhalten. Wir haben uns auch sagen lassen, wenn man öfter hier ist, dann entwickelt man eine gewisse Immunität gegen die Stiche bzw. deren Juckreiz. Ob da wohl was dran ist? Wenn man die Schweden und ihren Umgang mit den Mücken sich im Großen und Ganzen so ansieht, könnte diese Theorie sogar stimmen.
Auf jeden Fall haben wir aufgrund der Mückenplage das Frühstück an unserem Nachtplatz abgelehnt. Es hätte keinen Spaß gemacht. Stattdessen fuhren wir zum Trailhead unserer nächsten Wanderung. Langsam arbeiten wir uns wieder in Richtung Süden vor. Ich muss nochmals kurz daran erinnern, wir haben bereits den 8.Tag des Urlaubs und nur 14 Tage Zeit. Das begrenzt das alles irgendwie und ist auch gleichzeitig etwas enttäuschend. Für Skandinavien generell bzw. für einen Roadtrip durch diese einzigartige Landschaft im Norden von Europa braucht man einfach mehr Zeit. Die wir uns aber leider aufgrund meiner beruflichen Situation nicht nehmen konnten. Ich hoffe es wird in Zukunft wieder eher möglich sein. Ich hoffe das Thema Corona ist dann nächstes Jahr nicht mehr so präsent wie jetzt. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
So schön aufgeräumt kann unser Kofferraum sein. Alles hat seinen Platz und wird dann auch wieder gefunden, wenn es notwendig ist. Natürlich hat so eine Wild-Campingstelle und das Übernachten an derselbigen mit Luxusurlaub recht wenig zu tun. Um nicht zu sagen, nichts. Aber das ist es gerade, was uns daran so gefällt. Ich kann es gar nicht richtig erklären und bin froh, dass wir beide so ticken. Wäre ja lästig, wenn der/die eine Hotelurlaub bevorzugen würde und der/die andere diese Art des Urlaubs. Aber nicht jedes Land eignet sich dafür. Skandinavien an sich hat natürlich alle Vorzüge auf seiner Seite. Es gibt das Jedermannsrecht und es gibt genügend Plätze an denen man niemanden stört. Wobei sich Norwegen, Finnland und Mittel-Nordschweden besser eignen als Südschweden. Das liegt aber einfach an der Bebauung in Südschweden, die doch relativ dicht ist und deshalb weniger Raum für wildes Camping lässt. Außerdem will man ja auch niemand stören.
Ein kleiner Ausflug noch in das Jedermannsrecht. Ich habe es bereits letztes Jahr bei unserer Norwegen-Tour geschrieben. Das Jedermannsrecht ist jetzt nicht so ein rechtliches Ding, sondern eher eine Empfehlung. Darauf pochen sollte man nicht. Wenn sich jemand gestört fühlt, z.B. ein Anwohner, dann sollte man das respektieren und einen anderen Platz wählen. Wir haben auch schon oft Wohnmobilisten in Dörfern gesehen, die auf Parkplätzen direkt vor Wohnhäusern campierten. Das kann man machen, aber man muss es nicht. Wer will als Anwohner schon ein Wohnmobil direkt vor der Nase haben. Außerdem haben sich in dieser Coronazeit die Anzahl der Wohnmobile stark erhöht. Ein Miteinander ist jetzt noch wichtiger als vorher, schon aufgrund der begrenzten Plätze und gerade in Skandinavien will man nicht immer auf einen Campingplatz. Deshalb ist Rücksicht v.a. auf Einheimische aus unserer Sicht extrem wichtig, nicht dass am Ende das Jedermannsrecht noch abgeschafft wird oder an den geeigneten Stellen Schilder mit Übernachtungsverbot aufgestellt werden. Das wäre schade und würde alle treffen, auch die die Rücksicht genommen haben. In unserem Falle haben wir aus diesem Grund doch das ein oder andere Male auf einem Campingplatz übernachtet auch wenn wir jetzt keine so großen Fans dieser Plätze sind.
Wenn ihr näheres über das Jedermannsrecht in Schweden erfahren wollt, dann werdet ihr hinter dem Link aufgeklärt - Allemansrätten
Kurz könnte man es umreißen mit den Worten: "Nicht stören und nichts zerstören".
Mittlerweile waren wir jetzt auch an unserem Trailhead angekommen, hatten unser Frühstück auf dem Parkplatz eingenommen und waren wieder auf dem Weg zu Fuß das Land zu erkunden.
Vorgenommen haben wir uns den Weg hinauf zum Källfjället, immerhin 903 m hoch. Ihr findet hinter dem Link die Einzelheiten zur Wanderung - Skoterpass
Die Daten kurz und knackig: 12.7 km - 296 Höhenmeter - 4 Stunden Laufzeit, natürlich mit Pausen.
Zunächst geht es einen befestigten Weg entlang. Der Weg ist auf jeden Fall Turnschuh-Touristen-tauglich, was hier oben nicht ganz unerheblich zu sein schien. Aber bevor wir hier etwas überheblich werden. Der Weg ist auch Teil des berühmten Kungsleden. Allerdings nicht des nördlichen Kungsleden, sondern des südlichen Kungsleden. Kungsleden heißt übersetzt „Königspfad“ und ist Schwedens längster und bekanntester Fernwanderweg – ein Klassiker und sozusagen die Königsdisziplin des Wanderns in Schweden. Hier an unserem Trailhead endet oder beginnt ein insgesamt 349 km langer Teilabschnitt. Eine Karte im Internet könnt ihr euch hier anschauen: Karte
Der Weg verläuft eng an der Grenze zu Norwegen bis auf die Höhe von Trondheim. Unterwegs gibt es Übernachtungsmöglichkeiten für die Wanderer in Hütten oder man bringt einfach sein Zelt selbst mit.
Die meisten die hier aber unterwegs waren wollten v.a. zur Östfjällsstugan. Eine Hütte am See, die, um es einmal geschwollen auszudrücken, zum Verweilen einlud. Wir liefen allerdings noch etwas weiter, hinauf zum Kjällfjället.
Einen kurzen aber knackigen Anstieg später waren wir oben angelangt.
Das Wetter war wie man sieht so lala, aber es war trocken, zumindest meistens und die Aussicht von oben war nicht von schlechten Eltern.
Auf der anderen Seite sah man das Skigebiet, angeblich das größte Schwedens.
Die Wanderung war nett, jetzt nichts was man unbedingt gemacht haben muss, aber was muss man schon unbedingt gemacht haben. Uns hat es hier gefallen. Wäre echt mal spannend hier im Winter herzukommen und zu sehen, wie die Schweden das Ski fahren so praktizieren.
Auf unserem weiteren Weg in Richtung Süden fuhren wir, eher zufällig, an einem weltbekannten Platz vorbei. Wer hat nicht schon mal etwas vom Wasalauf gehört? Der Wasalauf (schwedisch Vasaloppet) ist eine der größten Skilanglaufveranstaltungen der Welt und ein Lauf der Worldloppet-Serie. Der Hauptlauf wird jedes Jahr am ersten Wochenende im März zwischen den Orten Sälen und Mora in der schwedischen Landschaft Dalarna auf dem Vasaloppsleden über 90 km in klassischer Technik ausgetragen. Das Rennen wird seit 1922 veranstaltet.
Wir fuhren hier am Startplatz des Wasalaufs vorbei und blieben natürlich stehen. Viel macht der Platz natürlich im Sommer nicht her. Ein paar Wiesen und ein paar Absperrungen, die nur sehr schwer erahnen lassen was hier im März los sein muss. Natürlich werden hier die jeweiligen Sieger der einzelnen Jahre präsentiert.
Wie man sieht gibt es auch immer wieder mal Seriensieger. Läufer die einfach Jahr für Jahr alle hinter sich ließen, wie z.B. Nils Karlson aus Mora. Über ihn gibt es auch einen Wikipedia-Eintrag: Nils Karlson
Man könnte sagen, er war zum Skilaufen geboren. Er war u.a. auch Olympiasieger und Weltmeister. Er nahm in seiner Karriere an insgesamt 256 Rennen teil, von denen er nur 10 schlechter als an 6. Stelle beendete. Mit was er sich wohl gedopt hat? Mit Knäckebrot?
Damit machten wir uns auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz und fanden diesen dann schließlich auf einem Campingplatz in Värnäs. Wir machten uns einen schönen Abend und konnten sogar aufgrund der tatsächlich herausgekommenen Sonne sogar noch unsere Schuhe wieder trocknen. Das nennt man dann den Himmel der Camper. Morgen werden wir wieder trockene Schuhe haben, keine Selbstverständlichkeit als Camper.