Ehrliche Frage, mit so einer Aussicht kann man doch mal frühstücken oder?
Wie gestern geschrieben, fiel die Entscheidung nicht weiter nach Norden zu fahren einstimmig. Meine Frau erwähnte die Probleme, denen wir gegenüberstehen würden und ich schloss mich dem an. Wenn wir das nächste Mal Nordschweden besuchen wollen, müssen wir anders an die Sache rangehen. Da darf man in Südschweden nicht rechts und links sehen, sondern man muss die Backen zusammenkneifen und auf der E4 Kilometer machen. Von Trelleborg bis zum Värdshuset Polcirkeln, kurz vor Lansjärv sind es sage und schreibe 1.670 km. Bei einer Ø Geschwindigkeit von sagen wir mal 70 km/h würde das ca. 24 h Autofahrt bedeuten. Da man viel mehr wie 8 Std. am Tag auch wenn man zu zweit ist, wahrscheinlich nicht fährt, bedeutet das halt 3 Tage fahren. Nochmals erwähnt 3 Tage mit je 8 Std. Autofahrt. Man hat ja auch noch Urlaub zwischendurch. Auf gut deutsch, wenn wir das nächste Mal Nordschweden bereisen wollen, dann müssen wir uns einfach mehr Zeit als nur 2 Wochen nehmen.
Was haben wir also für heute geplant. Heute sollte ein zwar wettertechnisch nicht sonderlich schöner Tag werden, dafür aber landschaftlich ein absolutes Highlight. Wir wollten noch etwas in den Norden vordringen und dem Nationalpark Skuleskogen einen Besuch abstatten. Was findet man über diese Park an Infos?
Beim Klick auf das Bild könnt ihr euch Infos aus dem www ziehen. Für alle anderen eine kurze Beschreibung dieser Gegend hier.
Der 1984 eingerichtete Nationalpark Skuleskogen mit einer Gesamtfläche von 2360 Hektar liegt in einer bergigen, sehr abwechslungsreichen Küstenregion an der Ostsee südlich von Örnsköldsvik. Die Höga Kusten (Die hohe Küste) genannte Region liegt dort, wo in der letzten Eiszeit das Inlandeis am dicksten und somit das Land am weitesten nach unten gedrückt wurde. Nach dem Abschmelzen der Gletscher stieg das Land auf und es entwickelte sich diese sehenswerte Landschaft.
Höhepunkte des Nationalparks sind u.a.
Der Slåttdalsberg besteht aus Nordingrå-Granit, und oben wachsen fast keine Bäume mehr. Kaum zu glauben, aber wahr: Nach dem Abschmelzen der letzten Eiszeit bildete der Fels den Meeresboden – er lag unter Wasser! Seitdem hat die Landhebung bekanntlich vieles verändert und Berge buchstäblich aus dem Meer steigen lassen. Von hier oben haben Sie einen guten Blick auf das Meer und den Wald.
und die Felsspalte Slåttdalsskrevan: Der Slåttdalsberg wird im nördlichen Teil von der etwa 200 Meter langen und 30-40 Meter tiefen Felsspalte Slåttdalsskrevan in einer geraden Linie durchschnitten. Diesen unglaublichen Ort in Höga Kusten muss man einfach gesehen haben! Wo heute der Spalt klafft, hat sich wahrscheinlich vor 1.200 Millionen Jahren eine Diabaspassage gebildet. Das bedeutet, flüssiges Magma quoll aus dem Erdinneren und verfestigte sich. Aber dieses Gestein verwitterte viel schneller als seine Umgebung: Es verschwand und hinterließ für immer eine Lücke. Mehrere Eiszeiten und die darauffolgende Anhebung von Landmasse und Meeresspiegel haben die Spalte sozusagen ausgespült.
Viel Info, aber genau diese zwei Höhepunkte des Parkes wollten wir erlaufen. Genaueres über unsere Wanderung könnt ihr hier erfahren - Nationalpark Skuleskogen
Wie immer für alle anderen die Daten in Kürze: 7.75 km, 276 Höhenmeter und 3h 40 min. unterwegs. Wie immer mit Pause und allem drum und dran. Pausen haben wir tatsächlich einige auf dieser Wanderung gemacht. Die Aussichten vom Berg waren einfach unbeschreiblich. Dazu später mehr. Zunächst ging es, wie in Schweden üblich, auf einem Bohlenweg den Berg entlang.
Das Laufen auf diesen Stegen ist um einiges angenehmer als über Stock und Stein, wo man bei jedem Schritt wirklich hingucken muss um nicht zu stolpern.
Wasser läuft an allen Ecken hier zusammen. Bald kommt man aber an eine Besonderheit der Wanderung.
Steinfelder mit runden Steinen so weit das Auge reicht.
und der Weg führte teilweise direkt darüber. Warum gibt es aber diese Steinboliden hier. Ein Schild gibt etwas Aufschluss.
Für alle die englisch bewandert sind kein Problem, für alle anderen habe ich einfach mal den google-Übersetzer bemüht. Mal sehen was er so ausspuckt.
Steinfeld
Die Rundungen in diesem Bereich wurden durch die Wellen und Strömungen des Meeres sortiert und geformt. Auf 150 m über dem heutigen Meeresspiegel brachen vor etwa 8000 Jahren majestätische Wellen zusammen.
Die bedeutenden erhöhten Strände im Feld sind das Ergebnis der mächtigen Kraft einer stürmischen See. Steine in Küstennähe wurden von den Wellen nach oben geschoben, um eine Mauer zu bilden.
Zum Zeitpunkt des nächsten großen Sturms war das Land angehoben und eine neue Steinmauer bildete sich darunter.
Das Steinfeld und seine erhöhten Strände sind über 8000 Jahre alt und ein typisches und wertvollstes Überbleibsel der noch immer andauernden Landhebung in der High Coast. Die hellgrüne Flechte auf den Steinen wird als Kartenflechte bezeichnet.
Gar nicht so schlecht. Man kann sich vorstellen, warum diese Steinfelder hier entstanden sind. Wie immer in der Geschichte waren die Mächte der Natur am Werk.
Der Weg führte uns dann zu einer weiteren Laune der Natur, zur Felsspalte Slåttdalsskrevan.
Kurz vorher mussten wir noch diesen Anstieg überwinden.
Mutig schritten wir unter dieser weiteren Laune der Natur durch. Sie hat jetzt solange gehalten, wird sie nicht ausgerechnet jetzt zusammenstürzen.
Die Aussichten von oben waren sensationell und der Aufstieg hatte sich auf jeden Fall gelohnt. Wir waren happy!
Kommt auf dem Bild vielleicht bei meiner Wenigkeit nicht so heraus, aber ich hatte wie immer mit meinem Knipser-Apparätchen zu kämpfen. Nach einer kleinen Klettereinlage erklommen wir den Slåttdalsberget. Der nächste Höhepunkt auf der Wanderung. Die Klettereinlage hört sich allerdings schlimmer an, als sie war. Ja, man musste etwas klettern. Nein, eine Gefahr in die Tiefe zu fallen, besteht nicht. Außerdem könnte man den Berg auch noch von der Südseite besteigen, falls man an der Kletterstelle scheitert.
Die Aussicht die sich einem von oben bot, war einfach grandios.
Leider spielte das Wetter nicht zur Gänze mit. Der Himmel blieb bewölkt, aber immerhin war es von oben weitestgehend trocken.
Damit hatten wir auch den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht. Wir fuhren jetzt wieder in Richtung Süden. Für den heutigen Abend hatten wir uns in Sundsvall ein Scandic Hotel ausgesucht. Ab und zu wieder in einem richtigen Bett zu schlafen ist auch nicht verkehrt. Aber es fühlte sich irgendwie nicht richtig an, als wenn wir Verrat an unserem Dachzelt begehen würden. Ist natürlich Quatsch. Das Dachzelt bekam das ja gar nicht mit.
Auf der Fahrt vom Nationalpark nach Sundsvall haben wir dann heute Abend noch in einem Rasthaus am Wegesrand der E4 gegessen. Wenn man mitbekommt welches Gedöns in Deutschland bei einem Restaurantbesuch gemacht wird und welcher Unterschied hier herrscht. In Schweden herrscht Normalität. Man geht in das Restaurant hinein, man muss niemand seine Adresse geben, niemand will eine Maske vor dem Gesicht sehen, die Welt scheint normal zu sein. Ach übrigens ganz schlecht hat das Essen auch nicht geschmeckt. Wenn ihr jetzt fragt, was hat es eigentlich zum Essen gegeben? Was wird es wohl in Schweden geben? Natürlich Köttbullar, ist doch klar
Falls ihr jetzt Hungergefühle bekommt, Mahlzeit!
Anschließend jetzt noch unsere Tagestour, damit ihr auch geographisch einordnen könnt, wo wir uns aufgehalten haben.