Schweden - Fazit

Sie sind hier: Startseite

Die Nacht auf der Fähre hatte etwas Beruhigendes. Man liegt wie in Abrahams Schoß und wird von den Meereswogen hin und her geschaukelt. Leichter Seegang sollte kein Problem sein. Schwerer Seegang könnte zu einer schlaflosen Nacht an der Reling verhelfen, eventuell. Bisher hatten wir auf unseren Fährfahrten niemals so richtig Wellengang. Wobei 1995 auf unserem damaligen Weg von Travemünde nach Trelleborg wehte ein laues Lüftchen. Das führte dazu, dass beim Essen im Restaurant, die Nudeln die Gabel statt im Mund bereits außerhalb des Mundes verließ. Komischerweise machte mir damals der Seegang überhaupt nichts aus. Wie das heute wäre, kann ich nicht sagen, weil, wir hatten ruhige See und die Nacht auf der Fähre war ebenfalls ruhig. Das kann natürlich auch am abendlichen Absacker auf dem Oberdeck gelegen haben. Wir haben unsere letzten Kronen quasi versoffen. Das ein oder andere Mitbringsel für unsere Kids war auch noch drin. Natürlich.

So geht der Urlaub zu Ende. Zwei Wochen Schweden. Die erste Frage zu Hause betrifft meistens das Wetter. Wie war es denn so? Unsere Antwort, das Wetter war so wie es war. Es war mal schön, mal schöner und manchmal war es nicht so schön. Richtig schlecht war es nie. Man konnte sich damit arrangieren und wir fahren ja nicht um braun zu werden in den Norden. Wer nach Skandinavien in Urlaub fährt muss mit Wetterkapriolen rechnen. Wir hatten als Beispiel 1991 auf unserer 2-wöchigen Reise nach Norwegen nur einmal Regen. Regen vom 1. – 14. Tag, durchgehend. Nur unterbrochen von vereinzelten Pausen, aber wirklich nur vereinzelt. Wir waren damals mit unserer Miss Ellie, einem Mitsubishi L300 Bus, unterwegs. Im Vorzelt des Buses mussten wir teilweise Rinnen graben, um das Wasser wieder herauszubekommen.

Ehrlicherweise war es danach nie mehr so schlimm. Aber zunächst hatte das unsere Lust auf Skandinavien etwas gebrochen.

Diese Lust ist in den vergangenen Jahren wieder verstärkt zurückgekommen. Letztes Jahr Norwegen war schon phänomenal. Meine Frauen waren 2018 ebenfalls in Norwegen, ohne mich. Damals hatte es einen Jahrhundertsommer und der Urlaub war dementsprechend exorbitant phänomenal supertoll. Damit konnte jetzt Schweden dieses Jahr nicht mithalten, aber trotzdem war der Urlaub, und das ist aus meiner Sicht schon das wichtigste, erholend. Wir konnten zwei Wochen die Seele baumeln lassen und was fast noch wichtiger ist, die Situation rund um Corona komplett ausblenden. In Schweden ist das normale Leben nach wie vor möglich. Es gibt keinen Maskenzwang, in Restaurants muss man nichts vorzeigen, man geht einfach hinein. Im Supermarkt kann man den Menschen ins Gesicht sehen, wenn man eine Frage an eine Verkäuferin hat, versteht man sich auch gegenseitig besser, weil nichts die Akustik stört. Die Aufkleber mit „Abstand halten“ sind zwar überall aufgeklebt, aber die Schweden erzählen sich folgenden Witz darüber:

„Als die Schweden erfuhren sie sollen jetzt 1.5 m Abstand halten waren sie komplett verwirrt. Warum? Als die Abstandsregel wieder aufgehoben worden ist, waren sie erleichtert. Warum? Na, weil sie jetzt endlich wieder ihre 4- 5 m Abstand wahren konnten, die sie üblicherweise zu Fremden halten“

Angeblich sollen die Schweden reserviert gegenüber Fremden sein. Man kommt nicht sehr nah an sie heran. Erst wenn die Schweden, v.a. in den langen Wintermonaten, mit Alkohol in Berührung kommen, werden sie lockerer und Freundschaften können dann umso schneller geschlossen werden. Ob dies tatsächlich stimmt, konnten wir natürlich in den zwei Wochen nicht überprüfen. Aber warum sollte es nicht so sein.

Schweden ist ruhiger als Norwegen. Die Landschaften auf den ersten Blick nicht so überwältigend. Wer durch die Bergwelt von Norwegen mit seinen Fjorden fährt, dem bleibt ein um das andere Mal der Mund offenstehen. Es ist einfach unglaublich, was man zu sehen bekommt. In Schweden dauert es etwas länger, bis man die Schönheit und die Einsamkeit des Landes zu schätzen weiß. Vor allem auf Wanderungen kann man hier tief in die Wälder und die Einsamkeit vordringen und man spürt die Ruhe, die einem umgibt. In Norwegen dagegen reicht es schon, einfach durchzufahren und die spektakulären Landschaften aus dem Auto heraus aufzusaugen. Natürlich sind auch hier Wanderungen immer ein Mittel noch näher heranzukommen und noch spektakulärere Landschaften zu erkunden, aber es muss nicht sein. Man kann auch ohne Wanderungen und viel Gelatsche viel erleben. In Schweden ist das ungleich schwieriger. Dafür erlebt man die Natur auf Wanderungen dann auch sehr ursprünglich. Uns hat es sehr gut gefallen. Sogar außerordentlich gut, wie man unschwer daran erkennen kann, dass wir auch dieses Mal wieder über 100 km in den zwei Wochen zu Fuß zurückgelegt haben.

Leider hat die Zeit gefehlt noch weiter in den Norden Schwedens vorzudringen. Das werden wir dann beim nächsten Besuch nachholen. Man vergisst oft, Schweden ist groß. Sehr groß und die Straßen zwar wunderbar ausgebaut, aber auch gleichzeitig mit Tempolimits versehen, die ein schnelles Vorankommen unmöglich machen. Allerdings halten sich wohl nur die Touristen an die vorgeschriebenen Tempolimits. Da jede Radarfalle angekündigt wird, könnte man tatsächlich zwischen den Blitzern das Gaspedal etwas weiter durchdrücken. Es soll schon Schweden gegeben haben, die ihre Strafzettel in Deutschland nicht zahlen wollten, mit dem Hinweis, die Radarfalle war doch gar nicht angekündigt.

Aber im Urlaub hat man ja Zeit und muss sich dem Stress von der Polizei angehalten zu werden, nicht geben.

Damit ist der Urlaub in Schweden zu Ende. Aber nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub bzw. im August werden wir endlich unseren Sohn in England besuchen können bzw. dürfen. Ganz ohne Quarantäne. Dafür mit einer Vielzahl von Tests, aber das nehmen wir dann auf uns. Von England wird es keinen Reisebericht geben. Wer schreibt schon einen Reisebericht, wenn er seine Kids besucht. Da unser Sohn dann gerade in eine neue Wohnung umziehen wird, wird es wohl eher ein Arbeitslager werden. Aber dafür sind ja Eltern schließlich auch da.

ENDE

Diese Website benutzt Cookies, um Ihnen das beste Erlebnis zu ermöglichen. Weiterführende Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.