Die Nacht war verregnet und nass. Das Positive daran, in unser Dachzelt hat es selbstverständlich nicht geregnet und wenn des Nachts die Regentropfen leise auf das Dächlein tropfen, verfalle ich in einen tiefen traumlosen Schlaf. Das sind die Situationen bei denen es kein Halten gibt. Funktioniert auch im Auto. Regen und Beifahrersitz und ich bin weg, sprich ich schlafe tief und fest. Warum das so ist, kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, es ist so und funktioniert einfach immer und überall.
Blöderweise hat auch der Morgen kein besseres Wetter gebracht und wir mussten, wie schon das Abendessen, auch unser Frühstück unter dem kleinen Vordach des Dachzeltes zu uns nehmen. Aber ehrlicherweise gibt es schlimmeres.
Die dazugehörige Aussicht sah dann dementsprechend aus.
Das schöne an einem Roadtrip ist, man kommt gar nicht dazu sich über das Wetter lange aufzuregen oder zu ärgern. Es muss ja weiter gehen. Immerhin bestand die Chance unser nächstes Ziel bei besserem Wetter zu erreichen. Schließlich lag es gut 190 Straßenkilometer südwestlich von unserem Standort. Bis dahin kann sich das Wetter schon wieder dreimal geändert haben.
Kommen wir aber zu unserem Ziel. Wir näherten uns noch etwas weiter der norwegischen Grenze an:
Was kann man über diesen Nationalpark so im Netz finden: Link
Der Nationalpark Fulufjället ist ein fast unberührtes Naturgebiet im südlichen Teil des Gebirges. Viele besuchen den Wasserfall von Njupeskär, der mit 93 Metern einer der höchsten in Schweden ist.
Der Berg erhebt sich wie ein Plateau in der Landschaft, mit steilen Flanken und oben flach. Hier oben weiden keine Rentiere. Daher ist die Bergheide von dicken Flechtenmatten bedeckt.
Der Wasserfall Njupeskärs ist mit 93 Metern einer der höchsten in Schweden und hat eine freie Fallhöhe von 70 Metern. Seit Jahrtausenden hat das Wasser eine große Schlucht geformt. Die meisten Besucher kommen hierher. Oben auf dem Fall hast du einen fantastischen Blick auf die Klamm und die Landschaft.
Der Nationalpark wurde 2002 eingeweiht. Die Fläche beträgt 38.500 Hektar (385 Quadratkilometer), wovon zwei Drittel kahle Berg- und Bergheiden sind.
Wie die meisten Besucher die in diesen Nationalpark einfahren, war auch unser Ziel primär der Wasserfall Njupeskärs. Anhand der Größe des Parkplatzes konnte man schon erkennen, hier kann was los sein und war auch schon als wir ankamen. Der Weg zum Wasserfall selbst ist dann auch dafür eingerichtet, dass es hier zu Menschenaufläufen kommen könnte. Es gibt auch sowas wie ein Zentrum am Eingang, mit "Visitor Center" und Restaurant. Aber das wurde erst später wichtig. Zunächst lag mal eine Wanderung vor uns mit dem ersten Ziel Wasserfall.
Über ein Hochmoorgebiet ging es zunächst eben dahin.
Man kann erkennen, hier sind die Wege so angelegt damit auch jeder den Wasserfall erreichen kann.
Durch Bäche muss nicht gewatet werden, sondern kann auf wunderschönen Brücken einfach so überquert werden.
Uns war aber irgendwo schon klar, die Regenkleidung würden wir nicht ohne Grund dabei haben. Aber es blieb zunächst trocken.
Dann konnte man plötzlich durch das dichte Laubwerk der Bäume einen ersten Blick auf den Wasserfall erhaschen.
Das sah doch schon recht vielversprechend aus. Genau wie die Annäherung an den Wasserfall selber.
Zuvor ist dieser schon wie folgt zu sehen.
Sollte man da dann die Treppen auf sich nehmen, nur um näher an ihn ran zu kommen. Antwort: "Ja, sollte man".
Mittlerweile hatte der Regen wieder eingesetzt. Aber egal, die Gischt des Wasserfalls hätte uns eh durchnässt.
Irgendwie kommen wir uns immer etwas doof vor, wenn man so ein Selfie macht. Aber egal, ist doch total hipp und macht auch jeder andere. Man steht auf einem Podest vor dem Wasserfall und sieht ihm beim Fallen zu. Kann beruhigend wirken, allerdings wenn man es versäumt hat am Visitor Center die Örtlichkeiten aufzusuchen, kann der Wasserfall noch ganz andere Drücke auslösen.
Was natürlich nicht fehlen darf sind kleine Hinweisschilder zur Entstehung der Schlucht und des Wasserfalles. Auch über die Verwendung des Wasserfalls im Winter als Kletter-Eisfall kann man hier Erklärungen finden.
Mein schwedisch würde nicht reichen, um die Texte auch nur einigermaßen zu entziffern. Das einzige was ich daraus ableitete war, der Eisfall ist vom 01. Dezember - 31. März zum Klettern freigegeben. Allerdings kann das auch etwas ganz anderes bedeuten.
Von hier aus hätte man jetzt die Möglichkeit wieder auf einem anderen Weg direkt zum Visitor Center, der hier Naturum heißt, zurückzukehren. ODER!?! Tja, oder man will den Wasserfall auch von oben sehen. Dann muss man die 93 m seitlich hochsteigen. Hier gebe es zwei Möglichkeiten. Entweder man verfolgt den hochoffiziellen Weg, der etwas weiter ausholt und nach oben führt....oder man übersieht, aus welchen Gründen auch immer, die Absperrung und geht den ursprünglichen direkteren Weg, der furchtbar steil und kräftezehrend nach oben geht.
Ihr braucht nicht zu fragen, welchen Weg wir genommen haben. Als wir dann mittendrin im Hang standen und uns teilweise auf allen vieren nach oben wuchteten, wollten wir auch nicht mehr umkehren. Hört sich aber gefährlicher an, als es war. Aber im Nachhinein sollte man sich vielleicht doch an Absperrungen halten. Allerdings zu unser Verteidigung wäre zu sagen, wir hatten sie echt nicht gesehen.
Dafür wurden die Aussichten von oben besser und besser.
Das Wetter machte uns schon gar nichts mehr aus. Immer wieder regnete es und am Plateau oben erwartete uns dann noch ein fieser Wind. Super! Aber war egal, es war schön hier. Natürlich bei schönem Wetter ist es wahrscheinlich noch etwas schöner, aber es war schon so durchaus sehenswert.
Damit bombardiere ich euch erst einmal mit ein paar Bildern. Der Aufstieg muss sich ja lohnen für alle Beteiligten.
Über die Hochebene ging es dann wieder zurück. Uns war bewusst irgendwann mussten wir die Höhenmeter ja wieder nach unten und es war alles sehr nass und schmierig hier. Aber letztendlich ging es ohne Probleme. Dieser Teil des Nationalparks bzw. des Weges war bei weitem nicht mehr so gut angelegt wie der erste Teil. Hier waren dafür erheblich weniger Menschen bis eigentlich gar keine unterwegs.
Wer mehr über die Einzelheiten der Wanderung erfahren will, könnte das hinter dem Link tun: Nationalpark Fulufjället
Für alle anderen wie immer hier die Kurzdaten:
Länge: 6.1 km, Höhenunterschied: 236 m, Dauer: 2 h 40 min.
Mehr muss man nicht wissen, außer es lohnt sich. Bei gutem Wetter macht es sicher noch mehr Spaß, aber selbst bei dem heute regnerischen Wetter war unsere Laune nicht im Keller und zum Abschluss gönnten wir uns sogar noch etwas.
Für meine Frau gab es einen heißen Kaffee und für mich ein kühles Pepsi. So setzt jeder seine Prioritäten um an Koffein zu kommen. Beim warmen Apfelkuchen mit Vanilleeis waren wir uns dann wieder einig.
Der Rest des Tages ist dann wiederum im Grunde schnell erzählt, wenn uns auch noch ein im Moment nicht zu erwartender Kampf bevorstand. Wir suchten uns einen Platz für die Nacht. Heute sollte es wieder einmal ein naturnaher, sprich wilder, Schlafplatz sein.
Und wir wurden auch relativ schnell fündig. Aus dem Augenwinkel beim Vorbeifahren sahen wir ein Plätzchen an uns vorbeifliegen. Schnell auf die Bremse getreten, Rückwärtsgang eingelegt und Schwups hatten wir heute unseren Platz. Direkt an einem See gelegen, lag ein großer freier Platz auf dem auch nur zwei weitere Reisemobile standen. Hier hätten noch mindestens 15 weitere Platz gehabt. Es kam aber im Laufe des Abends niemand mehr hinzu.
Wir richteten uns häuslich ein und genossen unser Abendessen. Aber schon im Laufe des Essens wurde das Wetter besser, der Wind hörte auf zu wehen. Der Wind ging und die Stechmücken sahen ihre Zeit gekommen. Sie fielen über uns her, als hätten sie seit Wochen keine Nahrung bekommen. Als wir mit dem Essen fertig waren, räumten wir das Feld so schnell es ging.
Lange Hosen, Socken, Jacken und Mütze nützten nicht wirklich viel. Die Biester stechen durch alles durch was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Die einzige Herausforderung die uns jetzt noch blieb, wie kommen wir in unser Zelt hinein und lassen die Mücken aber draußen.
Mittlerweile waren zu den normalen Stechmücken noch so ganz kleine Mückchen hinzugekommen. Die waren klein, stachen aber ebenso und traten in ganzen Schwärmen auf. Wir hatten so etwas noch nie erlebt. Was war den hier los?
Die Herausforderung in unser Zelt hinein zu springen, ohne Mückenbeilage, meisterten wir ganz solide. Nur wenige von den kleinen Mückchen leisteten uns Gesellschaft und wir gingen noch schnell im Zelt auf Jagd.
Erst dann konnten wir uns wieder entspannen. Was allerdings dann in der Nacht passierte, lest ihr erst morgen. Gut geschlafen haben wir auf jeden Fall trotzdem. Aber etwas Spannung für morgen muss ja übrig bleiben.